Geglückte Flucht nach Brandenburg am 23. Juli 2020

„Chaos Ohne Rudern Oder Neues Abenteuer?“ war Ende Mai die Frage für die üblichen Verdächtigen, die seit Jahren von April bis Oktober einmal im Monat am Donnerstag(!) zu einer Wanderfahrt aufbrechen und wie alle anderen in diesem Jahr seit März auf dem Trockenen saßen. Man war sich einig: Trotz Video-Überwachung im eigenen Club, genehmigungsbedürftiger Bootszuteilung, strengster Reise-, Ruder- und Kontaktbeschränkungen sollten die Donnerstagsfahrten 2020 nicht ganz ausfallen. Brandenburg versprach Freiheit! Dort war alles erlaubt, wir waren fassungslos. Rudern im Mannschaftsboot gleich hinter der Grenze!

Kristina Uhde zog die Fäden, hatte die Kontakte in den Osten. Jetzt darf es gesagt werden: Knud Trubbach, der Mann im blauen Trikot, war unser Fluchthelfer. Unauffälliger Wohnsitz im West-Berliner Stadtteil Hermsdorf, verheiratet mit unserer Ruderkameradin Sandra und seit Jahrzehnten Mitglied im Ruderclub Oberhavel in Hennigsdorf, einfach perfekt. Als alles vorbereitet war, wurde die WhatsApp-Gruppe geschaltet und innerhalb von nicht einmal zwei Stunden hatten sich 15 ruderhungrige RCT-ler für den Ausbruch nach Brandenburg gefunden, Männer, Frauen, ältere und noch ältere, keine Kinder.

Im Morgentau des 23. Juli machte sich jeder auf den Weg nach Hennigsdorf, allein oder in kleiner Gruppe, teilweise vermummt, um nicht aufzufallen. Der Chronist fuhr extra mit seinem dunkelgrünen Auto durch den finsteren Tegeler Forst, um bei Stolpe unbemerkt über die Landesgrenze nach Brandenburg zu huschen. Alle 15 haben es geschafft und sind heil im Hafen von Hennigsdorf angekommen. Unser Verbindungsmann hatte schon alles für die Weiterfahrt nach Oranienburg organisiert. Plötzlich kam aber doch ein leichtes Kribbeln in der Bootshalle auf: „Keine Ausfahrt ohne aktenkundliche Belehrung!“ hieß es groß und schwarz über dem Fahrtenbuch-PC. Wo waren wir hingekommen? Knud hat das dann geregelt …

Als alle in den drei Booten saßen, pullten wir unter gleißender Sonne fröhlich nach Oranienburg, kein hippes Ziel, das war aber auch völlig egal, denn die Hauptsache war: endlich wieder eine Donnerstagsfahrt!

Mittags in der Pizzeria überkam uns dann aber doch die Wehmut. Nie wieder Tegeler See? Einer nach dem anderen kippte um und wollte zurück nach Berlin. Tja, so kam’s dann auch und Ihr habt uns alle wieder. Ein schönes Abenteuer in diesen aufregenden Zeiten.

Jens Ziegler